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Geschichte der Blasmusik

(von Kirchmair Elisabeth)

Die Blasmusik, wie wir sie heute kennen, hat verschiedene,
weit zurückreichende Wurzeln.

Die Musikkapelle Matrei und Umgebung (seit 1985 heißt sie Bundesmusikkapelle Matrei-Mühlbachl-Pfons) wurde im Jahre 1683 gegründet. Wie aus Aufzeichnungen hervorgeht, umrahmte bereits im 17. Jahrhundert eine Bläsergruppe die Liturgie in der Matreier Kirche mit ihrem Spiel.
Aus dieser Übung entwickelte sich im Laufe der Zeit ein größerer Klangkörper, eben jene der BMK Matrei-Mühlbachl-Pfons. Derzeit umfasst die Musikkapelle 74 aktive Mitglieder und steht unter der Leitung von Kapellmeister Franz Eller, der außerdem Leiter der Landesmusikschule Wipptal ist.

Seit 1997 besitzt die Musikkapelle Matrei-Mühlbachl-Pfons ihr eigenes Logo. Abgebildet sind die drei Wappen der Gemeinden Matrei, Mühlbachl und Pfons.
(Gestaltung: Irene Eller, aktive Musikantin)
 

Im Jahre 1683 bestand die Kapelle lediglich aus sechs bis zehn Mitgliedern und diente in der Kirche wie auch außerhalb derselben ausschließlich religiösen Zwecken. Damals half sie vor allem als Verstärkung der Orgel.
Viele Jahrzente wurde nur mit Holzinstrumenten gespielt, die Trommel durfte selbstverständlich nicht fehlen. Bald wurden auch Fanfaren eingeführt.

Die Führung der Musikkapelle lag viele Jahre in den Händen der angesehenen Bürgerfamilie Fux (in Matrei sesshaft seit 1565). In der Familie Fux gab es nicht nur vorzügliche Musikanten, sondern auch Erbauer zahlreicher Kirchenorgeln.

Der Zufall wollte es, dass beim so genannten Bayrischen Rummel seine Musikkapelle den angreifenden Bauern vor Matrei in die Hände fiel, als König Max Emanuel am 21. Juli 1703 seine Truppen aus dem Wipptal zurückziehen musste. Die Instrumente blieben als Kriegsbeute in Matrei.

Diesem Umstand war es zu verdanken, dass sich die Matreier Musik bald erweiterte und unter der Leitung von Martin Fux und seinen Söhnen Johann, Georg und Anton empor blühte.

Deren nachkommen waren wiederum die Gründer der Musikkapellen in Steinach, Gries und Schmirn, wo sich Zweige dieser Matreier Familie sesshaft machten und in Gries ungefähr 130 Jahre und in Schmirn 70 Jahre als Volksschullehrer tätig waren.

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts!
In der Zeit, als die Blechblasinstrumente in Schwung kamen, leitete die Matreier Musik durch viele Jahre eine Lehrerin namens Marianne, deren Familienname leider nicht überliefert ist.
 
Im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts
wurde die Maschinen an den Blechblasinstrumenten allmählich eingeführt. Man hatte vorher zwar Hörner, mit denen wurden aber ausschließlich Naturtöne geblasen. Ein gewisser Herr Knabl kaufte sich im 19. Jahrhundert den ersten Bass. In dieser Zeit leitete der Lehrer und Organist Michael Hefele (geboren 1792,gestorben 1876) die Musikkapelle, der die musikalische Ausbildung durch die Familie Fux genoss.
 

1855 trat die Musikkapelle erstmals auswärts auf und zwar in Innsbruck bei der Erbhuldigungsfeierlichkeit des jungen Kaiser Franz Josef I. Nach Hefele folgte kurze Zeit der Lehrer Bartl als Kapellmeister.

Nachdem dieser seine Tätigkeit zurücklegte, wurde seine Leitung von Josef Michael Gstader im Jahre 1860 übernommen. Gstader diente acht Jahre als Tiroler Kaiserjäger-Unteroffizier, musste 1866 als Tiroler Landesschützen-Leutnant ausrücken und lebte später für längere Zeit in Passeier, wo er zum Oberschützenmeister von St. Leonhard im Passeier ernannt wurde. Insgesamt war er sechs Jahre als Kapellmeister in Matrei tätig.

1866 übernahm die Musikkapelle ein Südbahnbediensteter und vorzüglicher Flügelhornist namens Strebele. Ihm folgte als Kpm der Lehrer und Organist Johann Hefele (Sohn des vorher erwähnten Lehrers Michael Hefele) für mehrere Jahre. Anschließend war für kurze Zeit Josef Mair von Schöfens (Gemeinde Pfons) Leiter der Musikkapelle, dieser wurde von dem bereits vorher genannten Josef Michael Gstader noch einmal abgelößt.

Josef Stern - Gastwirt "Zur weißen Rose" - übernahm 1883 die Leitung der Matreier Musik, welche schon damals dreißig Mitglieder Zählte. Unter ihm wurde die Kapelle 1884 erstmals einheitlich uniformiert.

Nach dem Tod des Gastwirtes Stern trat Franz Kinzner von Mützens (Gemeinde Mühlbachl) in seine Fußstapfen. Unter seiner Führung wurde 1891 nach erfolgter Auflösung der Musikkapelle in Inzing, deren mit den Wipptalern ziemlich gleichen Uniform (historische Tracht) aufgekauft und die Matreier Musikkapelle damit ausgerüstet. Diese Nationaltracht blieb bis heute erhalten und wurde fortwährend ergänzt.

Kinzner führte die Musik in der schmucken Nationaltracht erstmals 1893 zur Tiroler Landesausstellung nach Innsbruck, 1897 zur Jahrhundertfeier an die Schlacht von Spinges und 1908 zur 60-jährigen Kaiserjubiläumsfeier nach Bozen auswärts. Dort wurde sie als erste Tiroler Kapelle erwählt. Der Krieg brachte eine kurze Unterbrechung.
Kinzner rückte als Oberjäger mit der Wippptaler Standschützenkompanie gegen Italien aus und diente über zwei Jahre dem Vaterland an der Front. Nach 50-jähriger Mitgliedschaft (1925) wurde er zum ersten Ehrenkapellmeister der Matreier Musik ernannt.

1929 folgte ihm als Kapellmeister Franz Lindner aus Gries am Brenner, 1930 als solcher Karl Hufnagl aus Schönbach bei Eger. Wenige Monate später (im Oktober 1930) übernahm der Oberleherer und Schulleiter Josef Baudisch die Leitung. Unter seiner Führung zählte diese Jubelkapelle zu den besten des Landes in Tirol. Die Verwaltung der Musikkapelle liegt seit 1930 in den Händen eines mehrgliedrigen Ausschusses.

Im Jahr 1933 feierte die Musikkapelle ihr 250-jähriges Bestandsjubiläum. Für viele Musikanten waren die Dreißigerjahre wirtschaftlich schwere Zeiten, da es viele Menschen ohne Arbeit gab. Josef Baudisch leitete die Kapelle bis 1942. Während des Krieges waren viele Musikanten beim Militär im Einsatz und somit war die Kapelle auf Grund der fehlenden Kameraden nur vermindert spielfähig.

Von 1942 bis 1945 war der Lehrer Lorenzini Kapellmeister. In den letzten Kriegsjahren wurde Matrei sehr schwer bombardiert, wobei unter anderem auch das Musikinventar (Instrumente und Uniformen) vernichtet wurde. Die aus dem Krieg heimgekehrten Musikanten standen vor zerrissenen Familien und zertörten Häusern.
Trotzdem konnte die Kapelle mit gemeinsamer Kraft wieder aufgebaut werden. 18 Mann gehörten 1945 der Musikkapelle an. Damals wurde Ludwig Knoflach als Kapellmeister gewählt.

1957 hatte die Musikkapelle bereits 33 Mitglieder und wurde vom Kapellmeister Josef Seewald geleitet. Otto Geisler übernahm ab 1963 die Kapellmeisterstelle, ihm folgte 1969 Walter Unterberger.

Von 1973 bis 1993 (20 Jahre) übernahm Max Gschwenter die Leitung der Musikkapelle, der heute noch aktiv als Flügelhornist in der Bundesmusikkapelle Matrei-Mühlbachl-Pfons tätig ist.

Franz Eller leitete die Musikkapelle von 1993 bis 1997, wurde dann von Kapellmeister Michael Hörtnagl abgelöst, seit dem Jahre 2000 ist Franz Eller wieder Kapellmeister der Bundesmusikkapelle Matrei-Mühlbachl-Pfons.

Im Jahre 1983 wurde anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Musikkapelle Matrei und Umgebung eine neue Musikvereinsfahne angeschafft, die bis heute noch erhalten ist.

 

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